Ich bin dann mal weg - Französischer Teil

Aus Ulfs Jacobsweg
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Europäische Jacobswege

Inhaltsverzeichnis

Ulf Leipoldt wandert weiter den Camino in Frankreich

Pilgern von Fessenheim nach Cernay (Tag 28)

Vogesen voraus am Morgen
Maislager
Pferdeabkühlung
Vogesen am Abend

Nach einer angenehmen Nacht mit Frühstück starte ich 7.00 Uhr auf den Pilgerweg. Noch ist es kühl aber die Sonne lässt sich schon bald nicht lumpen. Der Blick zurück zeigt mir noch einmal die Berge des Schwarzwaldes und der Blick nach vorn droht mit den Erhebungen der Vogesen, aber die soll ich nur am Südende streifen.

Gegen Mittag erreiche ich mein Zwischenziel und plane bis Thann zu gehen. Die Wärme macht mir zu schaffen, obwohl es an einem ansehnlichen Wasserlauf entlang geht. Die erste Blase an einer Ferse meldet sich ...

So beschließe ich die letzten 1,5 Stunden bis Thann erst morgen anzugehen. Ich finde ein kleines Quartier ca. 2 km ab vom Weg.

Pilgern von Cernay nach Belfort (Tag 29)

In Thann
Ich muss doch hier hoch!
Belfort bei Dämmerung

Diese Nacht habe ich kaum geschlafen, ich lasse ich mir das Frühstück aber trotzdem schmecken. 7:30 Uhr ist Start und ich merke gleich: heute ist nicht mein Tag!

Ich habe Mühe bei jedem Schritt - den Vorsatz ab 14:00 ein Quartier zu suchen werde ich definitiv umsetzen! In Thann angekommen bekomme ich endlich eine Postkarte für Arthur, die ich dann während einer Pause schreiben will.

Die Vogesen sind jetzt direkt an der "Haustür". Leider geht es dann auch gleich richtig hoch und runter und ich kämpfe noch mehr. Gegen 14:00 komme ich am gedachten Ziel an ... aber die Vermieten das Zimmer nur noch an Langmieter und ich werde weitergeschickt. Also frage ich im Ort und bekomme die Antwort: Nur 10 km weiter ist ein neues Hotel - aber ab vom Weg und richtig rein in die Vogesen.

So gehe ich einen Kaffee trinken und laufe weiter. In den folgenden Orten ist noch eine Übernachtungsmöglichkeit, aber da ist keiner zu Hause.

Dem Heulen nahe gehe ich weiter, bergauf und ab, und beschließe die nächste Schutzhütte die kommt zu beziehen. Fehlanzeige! Ich kämpfe mich weiter und erreiche mit einsetzender Dämmerung Belfort.

Mit dem Handy hatte ich ein B&B als Unterkunft entdeckt und gehe noch ein paar Kimometer Richtung Osten. Die dabei Entdeckte Pilgerunterkunft scheint geschlossen und ich beziehe 21:00 Uhr nach einem ungewollten Kilometerrekord und Preisrekord mein Zimmer.

Pilgern von Belfort zur Herberge La Forge d'Isidore (Tag 30)

Nur Alkohollieferanten dürfen rein
Freitagbier am Etappenende

Ich kann diese Nacht auch wieder schlecht schlafen. So stehe ich bereits 6:30 Uhr an einem guten Frühstücksbuffet, mit Ei und Schinken. 7:00 Uhr ist bereits alles verstaut ich ich verlasse die Unterkunft.

Die Füße fühlen sich gut an, als ich die Socken und Wanderschuhe anziehe, als würden sie sich freuen. Aber nach ein paar 100 Metern schimpfen sie wieder. Durch die Stadt ist müßig - nur ein Lädchen hat offen. Ich erstehe einen Apfel für mittags und will die Stadt hinter mich bringen. Eine Umleitung des Weges beschert mir noch drei Kilometer Extrastrecke.

Heute bin ich (noch?) ziemlich fertig und alles regt mich auf: Wegführung, Wärme, keine Pausenmöglichkeit, keine Post. Ich kann Arthurs Karte immer noch nicht abschicken.

Ich brauche jede Stunde fünf Minuten Pause, es bleibt trotzdem schwer. Die erste Unterkunft passiere ich gegen zwei Uhr und keiner da, auch nicht am Telefon. So rufe ich im nächsten Ort das GITes des etap und kann in die Pilgerunterkunft gehen (Anmerkung der Schattenredaktion: Dieser Satz scheint nach dem Biergenuss geschrieben zu sein, und Ulf kann sich an die deutschen Worte schlecht erinnern. franz: Gites, könnte die Ferienwohnung sein) .

Diese sieht nach spanischen Verhältnissen aus (Pilgerführer) aber mit Essen und Bier ab zwanzig Uhr, da vorher die Kühe gemolken werden. Ach ja, die Herberge heisst La Forge d'Isidore - der Schmied Isidor.


Pilgern von der Herberge La Forge d'Isidore nach Moimay (Tag 31)

Frühstück wie beim Bauern
TGV Strecke
Erste Pause unterwegs
Es wird kühl und windig

Nach einer ruhigen Nacht und einem zünftigen Frühstück, mit Kaffee aus einem traditionellen "Müslischälchen", starte ich gut in den Tag. Im nächsten Ort hole ich Gebackenes für heute und auch gleich für morgen im Vorrat, da oft kein Laden da ist.

Unterwegs bietet mir eine Frau unverhofft Wasser an und gibt mir noch einen Apfel und kleine Kekse dazu mit, super nett. Später hat auch eine Post auf und Arthurs Postkarte geht somit auf die Reise in die Heimat,

Es ist zwar warm, hält sich aber im Rahmen. Gegen Mittag wird es kühler und windig. Die Füße schmerzen zwar wenig aber ich suche mir gegen 13:30 Uhr eine Unterkunft. Die erste Unterkunft hat geschlossen, aber die im nächsten Ort kann ich ab 15:00 Uhr belegen.

So trinke ich ein Bier, um die Zeit zu überbrücken, und maile über das Wlan vom Restaurant.

Nach kurzer Wegstrecke treffe ich an einem Haus ein das wunderschön, kreativ, mit viel alt und wenig neu super eingerichtet ist. Ein Drei-Gänge-Menü mit einem lustig-tiefsinnigen Gespräch rundet den Abend ab.

Pilgern von Moimay nach Filain (Tag 32)

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Heute ein späterer Start nachdem das Frühstück noch zu einem z.T. tiefsinnigen Schwatz ausgeglitten ist.

Beim Start scheint der Regenponcho nötig, aber es geht dann doch ohne Regenschutz. Nur den Rucksacküberzug benutze ich. Viele Wege sind asphaltiert, aber zum Glück herrscht Autoverbot. Auch eine sechs km lange gerade Strecke stört mich nicht.

Kurze Pause um elf Uhr dann nochmal um dreizehn Uhr, wo ich auch telefonisch und auf deutsch die Übernachtung kläre. Ein von mir befragter Bauer schickt mich auf einen langen Feldweg der Richtung Quartier gehen soll ... aber im Wald endet.

Dank Internet, amerikanischer und russischer Satelliten und der Firma Garmin finde ich über einen Wildwechsel schließlich zum richtigen Weg. Ich werde sehr freundlich aufgenommen und auch heute wieder hochdeliziös bewirtet. Als Pilger bekomme ich ein super Zimmer.

Leider kann die Hausherrin die Übernachtung für morgen nicht vorab klären, alles voll. Also stelle ich mich schon mal auf kreative Übernachtung ein.

Ich erfahre, das man in jedem Ort beim "Bürgermeister" (gesprochen: lö märh) klingeln und um eine Notunterkunft bitten kann ... so man ein Pilger mit Pass ist. D.h. eventuell mit Isomatte & Schlafsack in der Kirche übernachten. Der Hinweis sollte Gold wert sein! Danke!!

So liege ich nun, gesättigt mit einer herrlichen Tortenvariation die ich testen durfte, in meinem Zimmer. Mein Urteil wird wohl jetzt einer großen Feier dieses Rezept bescheren.

Pilgern von Filain nach Bucey-lès-Gy (Tag 33)

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am Wegesrand
Mutter mit Kind

Nach einem herzhaften Frühstück bin ich 7.30 auf dem Weg. Der letzte Hinweis der Herbergseltern: "Im Wald, am Baum Nr. 12 links halten!" war sehr gut und hat geholfen.

Das Wetter ist gut und ich schreite richtig weit aus. Meist geht es durch den Wald und das Auf- und Ab ist zu schaffen. Auf einer Wiese sehe ich eine Kuherde bei der die Kälbchen noch richtig bei der Mutter leben und trinken. (Mal sehen ob es das Foto rüber bringt.)

Gegen 14.00 kläre ich die Übernachtung die, wie sich zeigt, beim Bürgermeister (le mairde) persönlich angedacht ist. Ein nettes älteres Paar befragt mich im Wald zu meinem Weg und wir können uns mit Englisch, Händen und Füßen und meinen im Entstehen begriffenen Französischrudimenten verständigen.

Da ab 18.00 mein Erscheinen geplant ist, trinke ich um 16.30 noch einen "Grande Cafe" in der Bar im Ort. So finde ich pünktlich die Unterkunft und bin zum Essen eingeladen. Pellkartoffeln mit einem lokalen Käse der geschmolzen ist, dazu einige Schreiben einer deftigen lokalen Wurstspezialität und Rucolasalat.

Ein netter Schwatz auf deutsch und ich bemühe mich etwas Landessprache zu behalten.

Pilgern von Bucey-lès-Gy nach Gray (Tag 34)

Schlüsselstelle passiert
Wo ist hier der Weg?
Wieder viele Kilometer gerade aus
Telefon und Strom mitten durch die Bäume

Nach einem Plausch mit dem Bürgermeister über mein GPS und einer Vorführung von www.jakobswege-europa.de, www.openstreetmap.org sowie meines Blogs hat er eine Vorstellung der Möglichkeiten wie er den Jakobsweg und den hier kreuzenden Pilgerweg nach Rom besser etablieren kann.

Ich verlasse 8:00 Uhr das Haus und beginne den Weg nach Gray. In Gy, dem nächsten Ort passiere ich den Abzweig einer längeren Variante des Jakobsweges. Hier ist wieder ein wichtiger Punkt für mich ... das erste Drittel der Pilgerwanderung ist geschafft!

Leider muss ich lange durch hohes nasses Gras und die Schuhe sind durch. Dann fehlt ein Schild und ich muss einen Kilometer zwischen zwei Feldern ohne Weg entlang.

Im nächsten Ort wringe ich die Socken aus und trockne alles eine halbe Stunde.

Über schnurgerade Feld- und Waldwege geht es weiter und ich erreiche Gray um 14:00. Schnell noch Einkaufen fürs Abendbrot und dann zur Jugendherberge. Hier sagt man mir, das ich mindestens für 5 Tage (!) buchen muss. So lange will ich dann doch nicht hier bleiben.

So esse ich erst mal den Rotebeetesalat mit Senfdressing (gut!) und suche per Internet eine günstige Übernachtung. Das Hotel ist gleich um die Ecke, macht aber erst 16:30 auf. So kommt Arthurs Postkarte wenigstens gleich auf den Weg.


Pilgern von Gray nach Marcilly-sur-Tille (Tag 35)

Jw1000-CC0.jpg Heute, zu Deinem Geburtstag, werden die ersten 1.000 Kilometer der Strecke durchschritten!! Glückwunsch!!

Start in Gray
Pilger sind für jeden seltsam
Mittagsziel
Was ist das für ein zierlicher Schmetterling?

Es geht wieder früh los da ich heute 2 Etappen machen will. Das Höhenprofil ist fast ein Strich. Auch heute benötige ich mehrfach das Navi, da zum Beispiel Weg und Zeichen durch gefällte Bäume komplett verdeckt werden.

Ich höre heute zum ersten Mal den ganzen Tag keinen Specht, sehe dafür vier unterschiedliche Schmetterlinge auf einmal und später noch eine Bisamratte.

Mittags ist das Ziel der ersten Etappe erreicht, ein burgartiges Gehöft. Nach einer Pause ziehe ich weiter und merke wie die Distanz an den Kräften zehrt.

Später muss ich mitten durch einen Bach - Schuhe aus? Zum Glück finde ich dann noch eine versteckte französische Brücke.

Beim letzten Ort vor meinem Tagesziel pausiere ich und komme dann kaum noch vorwärts. Jedes Fußheben ist ein Kraftakt und ich muss noch 12 Kilometer bis zum Ziel!

In Marcilly-sur-Tille halte ich auf dir "Auberge du luc", mein Nachtqartier zu und kann schnell auf mein Zimmer. Das Abendbrot ist wieder phantastisch.

Da durch?
Brücke

Pilgern von Marcilly-sur-Tille nach Chanceaux (Tag 36)

Was es hier wohl gibt?
Bomben an der Kirchenmauer
Jetzt kann ich den blauen Schmetterling endlich fotografieren.
Alte Mühle

Nach einem umfangreichen Frühstück starte ich um mir im Ort noch etwas Pausensnacks und einen Gürtel zu kaufen. Letzterer ist aber erst in zwei Stunden zu bekommen und ich gehe weiter. Im Wald ist wieder Ruhe - wenn man mal die Vögel nicht bedenkt. Die Füße meckern nicht und der kalte starke Wind ist auch weg.

So geht es zum ersten Ort und der liegt ein Stück hoch. Dort sehe ich einen seltsamen Straßennamen - wie der wohl zustande kommt. Vor der Kirche, wo ich pausiere, sind zwei riesige Geschützpatronen als Stoßschutz befestigt.

Weiter, wieder zum Wald und ich habe doch noch den blauen Schmetterling knipsen können. Am letzten Ort vor dem Tagesziel banne ich eine alte Mühle für Euch aufs Handy.

Am Zielort angekommen ist eine professionelle Herberge komplett geschlossen und die Pilgerunterkunft nicht ans Telefon zu bekommen (die Hausnummer ist auch nicht zu finden).

So beschließe ich noch 10 km zum nächsten Ort, über den Berg zu gehen wo es, laut Pilgerführer, einen Campingplatz, Pilgerunterkunft und zwei Zimmervermietungen geben soll. Fehlanzeige, die Schilder hängen zwar aber ich werde sofort weggeschickt.

Die letzte Adresse aus dem Büchlein nimmt mich auf und ich bekomme das sehr(!) einfache Pilgerzimmer und dazu Abendessen und Frühstück. Zwar würde Hape hier weglaufen, aber ich hatte ja schon das selbstgebastelte Notdach im Wald vor meinen inneren Augen.

Pilgern nach Flavigny-sur-Ozerain (Tag 37)

Die Seine
Tagesziel Flavigny

Nach einem Frühstück mit dem Hausherren, mit gegenseitigem Sprachtraining, verlasse ich den Bäcker mit Tagesproviant um 8.00 Uhr.

Es ist so kühl an den Händen, dass ich am liebsten die Handschuhe heraus kramen würde. Das Gras ist voller Frost. Mit den Händen im Wechsel in den Hosentaschen geht es weiter und nach kurzem Bergab überquere ich die Seine (Foto), die 4 Kilometer oberhalb entspringt.

Auf dem Weg durch Feld und Wald verpasse ich einen Abzweig und werde stutzig als "St. George Source de Seine" als Ortsschild erscheint.... über 3 km Umweg! Das Navi gibt mir jetzt letzte Sicherheit über meinen Fehler.

Später verpasse ich wieder einen Weg und es kommen noch mehr Kilometer dazu. Eine Pause in Gissey (nicht Gize!) vor einem guten Anstieg soll mir Kraft geben. Dabei setzt sich ein Hund neben mich, so als würde er zu mir gehören.

Nachdem ich den nächsten Anstieg geschafft habe, finde ich den richtigen Weg und gehe bergab. Der letzte Anstieg ist hart! Nicht nur wegen der Kilometer, sondern weil es sehr warm und sehr steil und lang ist. (Was soll das in den Pyrenäen werden?)

Endlich gegen 13 Uhr in Flavigny-sur-Ozerain angekommen, hole ich mir in einem bitstroartigen Restaurant einen großen Salat und ein kleines Bier.

Die Tourist-Info öffnet erst 14.30 und ich gehe durch den Ort. Aber die Info öffnet heute gar nicht und ich frage beim Bürgermeisteramt (Mairie) nach Unterkunft. Ich werde auf das Kloster verwiesen, wo man sehr nett in französisch, englisch - und über Telefon - in deutsch mit mir spricht.

Das Gästehaus ist voll belegt! Man telefoniert für mich, aber alle "günstigen" d.h. unter 70€ Übernachtungen sind voll und ich darf superausnahmsweise in einem besonderen Haus des Klosters übernachten.

Das Abendessen nehme ich schweigend mit den Mönchen ein und erlebe später das Abendgebet in der Kirche. Da bekommt: "Ich war fremd, aber ihr habt mich beherbergt!" aus [Matthaeus 25] eine ganz andere Tiefe.

Ich bekomme, wegen meiner geplanten Aufbruchszeit, eine Zugangsmöglichkeit ins innere Kloster um auch allein frühstücken zu können.

Der Tag hat unterwegs und hier für mich einigen Eindruck hinterlassen!

Pilgern nach Vieux-Château (Tag 38)

Flavigny am Morgen
Blick zurück nach Semur
Vieux-Cateau

Nach einem Frühstück allein in der Klosterküche und der Schlüsserabgabe stehe ich 6.45 auf der Straße. Die Autoscheiben sind gefroren, aber mich stört das nur an den Händen.

Der nächste Ort liegt tief Nebel verhangen im Tal und ich muss dort meine Hände in den Taschen wärmen, Handschuhe auspacken ist mir zu umständlich.

Hier beschließe ich fünf Kilometer zu sparen und die direkte Straße den kleinen Seitenstraßen vorzuziehen. Es kommen mir keine sechs Autos entgegen.

In Semur, dem Tagesziel des Pilgerbüchleins bin ich zehn Uhr und packe erst mal mein Pausenbrot aus. Weiter geht es und aus der Stadt geht es steil runter und dann rauf. Ein schöner Blick zur Stadt ist auf dem Bild.

Auch hier wird mehrfach das Navi benötigt und ich komme über Felder gut voran. Die Wärme nimmt wieder stark zu und nach einem langen Stück bergauf gibts Pause im Bushäuschen (Schatten).

Ich versuche für das Etappenende per Telefon ein Quartier zu finden, muss aber weil ich nicht zurecht komme aufgeben!

So gehe ich weiter und versuche Gott zu vertrauen. Zehn Kilometer vor Etappenende versuche ich in Vieux-Château eine Unterkunft zu finden. Die beiden professionellen Unterkünfte sind voll aber ich werde zu Nachbarn vermittelt. Diese haben schon öfters Pilger aufgenommen.

Das nette, älter Paar kann engl. noch weniger als ich aber wir kommen gut klar. Direkt gegenüber geht halt besser als am Telefon.

Pilgern nach Avallon (Tag 39)

Holländer gibts auch ohne Wohnwagen
Muschel rechts im Bild und ein Jakobus am Wegesrand

Nach einem guten Frühstück, mit super Käse, bin ich wieder unterwegs. Es ist recht kühl und der Atem ist sichtbar. Es geht steil bergab und ich verpasse wiedermal einen Abzweig. Gut das der Umweg nur zweihundert Meter beträgt.

Schnell wird es warm und ich trinke viel Wasser - immer übers freie Feld ist echt warm. Und wieder verpasse ich einen Abzweig und merke es diesmal erst sehr spät. Der Umweg ist um die fünf Kilometer! Ich gehe auf einer stark befahrenen Straße 6 km bis zum Jakobsweg.

Später treffe ich zwei Holländer zu Pferde die ein schwer beladenes Packpferd dabei haben. Sie wollen nach Holland auf dem Jakobsweg und haben in vier Tagen 70 Kilometer zurückgelegt. Über meine Strecke sind sie echt von den Socken, obwohl das für mich nicht besonders erscheint. Mit gegenseitigem bon Route trennen wir uns.

Im nächsten Ort spricht mich ein junger Mann an und seine Mutter lädt mich auf eine Pause und Wasser (im Glas und für meine Flasche) ein. Sie ist Holländerin und wir schnacken in einen Mischmasch aus Deutsch, Englisch und Französisch. Sie haben gestern genau so die beiden Reiter angesprochen und dann für deren Nachtlager gesorgt. Ab jetzt werde ich nochmals anders mit Passanten umgehen - vor allem wenn ich zuhause bin!

Vèselay ist, wie ich dachte, für heute kein Ziel und ich gehe nach Avallon das 2 km ab vom Weg liegt. Dort ist heute ein Volksfest und alles ist auf der Straße. So frage ich im ersten Hotel und es ist ein bezahlbares Zimmer frei. Man erkennt in mir sofort den Pilger und ich bekomme die private Küche gezeigt um mein Essen da zu kochen! Wo in Deutschland kann einem das in einem Hotel mit Restaurant passieren?

Ich ordere zum ersten Mal in Frankreich Geld am Automaten und bekomme keinerlei Gebühren angezeigt ... mal sehen ob das so bleibt. Bei einem Wein schreibe ich diese Zeilen für Euch und hebe mein Glas auf Eure moralisch Unterstützung und Euer Gebet. Ohne IHN wäre ich nie soweit gekommen, vor allem in Frankreich!

Kleine Vorschau der Schattenredaktion

Für unsere Geographie-Fans bin ich Ulf schon mal vorweggerannt und habe auf der Karte die Höhenlinien ausgemessen. Ganz unten bei "Karte im Vollbild anzeigen" kann man sich schon mal informieren.

Pilgern nach Vézelay (Tag 40)

Haben die hier Abkürzungen
Vézelay
Basilika in Vézelay
Basilika in Vézelay

Nach einem einfachen, aber reichlichen Frühstück starte ich wieder auf den Weg. Heute nehme ich nochmals ein Stück Straße, anstatt umständlich auf den originalen Weg zurück zu kehren.

Es geht gut voran und bald sehe ich Vézelay vor mir auftauchen. Noch ein Stück abwärts und dann steil bergauf, durch verwinkelte Straßen und ich stehe an der Basilika.

Drinnen singe ich richtig laut und mache dann meinem Rundgang. Nach einem Vorsprechen in der Touri-Info gibts Ziegenkäse mit Salat und ich schicke die Postkarten und einen Pilgerführer in die Heimat. Eine Übernachtung im Pilgerquartier des Klosters ist geklärt und die Nacht kann kommen.

Jetzt bemerke ich einen Fehler in der Planung, ich habe den längeren Weg im Büchlein und den kurzen Weg im Gps ... werde sicherlich den längeren nehmen (macht 23 km mehr).

Pilgern nach Corbigny (Tag 41)

Nebel über dem Tal
Die Sonne geht auf
am Wege

Nach einer Nacht als Einzigster im Männerschlafsaal gibt es ein Frühstück aus zwei Scheiben Brot, Marmelade und Kaffee. Als der Bäcker 7.30 öffnet, hole ich mir ein Baguette, für 2 Tage als Wegzehrung und starte auf den ersten Abschnitt ohne GPS-Route.

Das benötigt mehr Aufmerksamkeit, zumal das Muschelzeichen öfters von zwei Strichen (blau und gelb) ersetzt wird, welche parallel verlaufen.

Dafür geht es bis Mittag über herrliche Feld- und Waldwege. Gegen 13.00 komme ich an einer Pilgerunterkunft vorbei, gehe aber (jetzt alles Straße) noch 15 km bis nach Corbigny. Hier ist die Pilgerunterkunft aber geschlossen und jetzt ein Kindergarten. So marschiere ich zur Touriinfo wo alle Anrufe für Privatunterkünfte ungehört enden.

Damit bleibt mir keine andere Wahl, als das günstigste Hotel am Ort .... wieder ein neuer Preisrekord! Dafür ist das Abendmenü richtig gut und das Dessert aus drei Sorten Käse ein Traum.

Pilgern nach Prémery (Tag 42)

Der alte Waschplatz wurde zur Bibliothek umgestaltet.
Die beiden Wegweiser zusammen
Blick in die Gegend

Nach einem umfangreichen Frühstück, bei dem es sogar Kuchen gab, starte ich bei drei Grad auf den Pilgerweg. Nach einiger Zeit, bei einer Pieselpause, werde ich von einem etwas älteren deutschen Pilger eingeholt und nach einem Plausch gehen wir den Tag gemeinsam weiter.

Er ist schon vor drei Jahren unterwegs gewesen, hatte aber diesen Teil übersprungen. So gibt es viele gut Tipps für Spanien. Zum Beispiel Fußpilzsalbe wegen der Duschen wird dann auch gleich besorgt. So passe ich mein Pausenverhalten an, 2x 1/2 Stunde, und wir kommen gut in Prémery an. Ein Käffchen beim Bäcker erbringt uns, durch seine Französischkenntnisse, einen Tipp und wir haben gute Zimmer mit super Essen.

Hier treffen wir auf ein österreichisches Pilgerpärchen und haben einen schönen Schwatz beim Abendbrot. Sie sind von meiner bisherigen Strecke beeindruckt - was ich nicht so recht verstehen kann.

Pilgern nach Nevers (Tag 43)

Pause
Pilger am Wehr
Zaungast
Blick auf Nevers

Nach dem Frühstück gibts einen fröhlichen Abschied von den Österreichern und im kühlen Morgen gehen wir los. Heute wird es nicht ganz so schnell warm und das ist angenehm.

So machen wir Meter und bei der ersten Pause ist schon einiges geschafft. Dabei schaffe ich es endlich eine Eidechse zu knipsen, sonst sind die immer zu schnell weg.

Ein altes Wehr gibt ein schönes Fotomotiv zwischendurch. Heute gibt es auch mal wieder ein bisschen Waldweg.

Nach der zweiten Pause kommt dann auch Nevers - unser heutiges Tagesziel. Das Einkaufen der Pausensnacks für die nächsten Tage ist schnell erledigt und wir finden dann auch ein nicht ganz so teures Hotel. Abends beim Flammkuchen ist auch die Planung für morgen schnell abgehakt.

Pilgern nach Livry (Tag 44)

Nevers beim Start
schönes Anwesen
Glücklich angekommen am Tagesziel.

Nach einem guten und umfangreichen Frühstück mit leckerem Käse geht es zum Start in die Kathedrale. Dann überqueren wir die Loire und verlassen langsam die Stadt. Die Strecke verläuft wieder durch sanfte Hügel und heute ist es lange Zeit bedeckt - somit kühler.

Wir kommen gut voran und Emil klärt die Übernachtung im Refugio per Telefon. Nachdem ich bei einem Wegefehler ein schönes Anwesen geknipst habe geht es zurück auf die Straße in der richtigen Richtung. Später nehmen wir ein Stück Weg das in keinerlei Karte (zumindest in keiner die wir dabei haben) verzeichnet ist. Es führt uns super zum nächsten Ort.

In Livry, gleich hinter Saint-Pierre-le-Moûtier, finden wir das Haus, werden freundlich in einem super Refugio empfangen. Unsere Wäsche wird uns gleich abgenommen und in die Waschmaschine gesteckt.

So sitzt der Pilger geduscht und frisch eingekleidet auf dem Liegestuhl in der Sonne und genießt die letzten Strahlen. Dann gibt es ein leckeres, umfangreiches Pilgermenü, in drei Gängen und ein Gläschen Wein.

Pilgern nach Valigny (Tag 45)

Trüber Morgen
Am Wegesrand
Über die Loire
Hotel am Abend

Nach einem guten Frühstück verlassen wir die Pilgerherberge und machen uns an einem trüben Morgen auf den Jakobsweg. Der komplett bedeckte Himmel und ein stechender Wind lassen kein Schwitzen aufkommen. Das Vorankommen ist unkompliziert. Später queren wir die Loire und der Vorrat an harter Wurst kann auch aufgefüllt werden.

Nach der Querung eines weiteren Flüsschens, zum Glück ist da eine kleine Brücke an einer Furt, ist da eine ehemalige Mühle die vorgerichtet wird. Das sieht echt super aus.

An einer kleinen Mauer als Windfang ist erst mal Pausenzeit. Die frische Wurst mundet und gibt neuen Elan. Gegen 16.30 ist das Tagesziel erreicht und das Zimmer wird bezogen.

Als wir die Pilgerpässe zum Stempeln vorlegen, springen zwei ältere Damen auf und legen ihr Pilgerpässe dazu. So kommt es zu einem Plausch und das Pilgermenü wird gemeinsam eingenommen.

Pilgern nach Saint-Amand-Montrond (Tag 46)

Nach einem trüben Start
Mittagspause
In Ainay de Château
Die Gegend

Der Tag startet sehr trüb, die Straße hat noch Nässe aber es regnet nicht. So muss ich keine Regenkleidung anziehen und kann losstapfen.

Zwar gibt es ein paar einzelne Tropfen aber keine Notwendigkeit für Regenmaßnamen. Später zieht es etwas auf und die Sonne kommt manchmal durch. Der Weg stellt keinerlei Probleme und es geht gut vorwärts.

Gegen Mittag gibt es eine Pause auf der Wiese vor einer Kapelle und wir liegen in der Sonne - tja - so kann Pilgern auch aussehen. Auch gegen 15.00 ist eine Pause auf einer Wiese fällig. Dadurch ist man nicht so fertig und kommt trotzdem nicht später ans Ziel.

In Saint-Amand-Montrond ist das Refugio geschlossen und das angegebene Hotel reagiert nicht auf klopfen, rufen und anrufen. Zum Glück hat mein GPS noch ein Hotel in petto. Nicht teurer als letzte Nacht aber supergut und das Essen hochdeliziös!

Pilgern nach Le Châtelet (Tag 47)

Der Raps ist schon weit
Andere Verkehrsschilder
Refugio

Wie schon das Abendessen so war auch das Frühstück super und wir starteten 8.30 auf den Jakobsweg. Drei Grad wärmer und weniger Wind machten das Vorankommen leichter. Hier ist der Raps schon weit.

Wir pausieren gegen 12.00 und als wir den nächsten Ort erreichen gibt einen Kaffee. Danach geht es längere Zeit auf einer größeren Straße entlang und der "Sprung" auf den, oft hoch mit Gras bewachsenen und schrägen Randstreifen wird gut trainiert.

Im nächster größeren Ort Le Châtelet ist alles zu und wir nehmen Obst aus dem Rucksack als Pausensnack. Weiter geht es dann durch ein Dorf das gerade einen Töpfermarkt veranstaltet und jeder bietet auf dem Hof seine Ware an.

Nach dem Dorf finde ich ein ungewöhnliches Straßenschild (Bild). Wir kommen lt. Plan in dem Refugio an und werden gut bekocht. Einfach aber lecker und reichlich. Auch das Refugio ist einfach, aber der Weg bringt genug Müdigkeit.

Pilgern nach Sarzay (Tag 48)

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Blick aus der Haustür

Bei einem umfangreichen Frühstück liest man von Schnee in Deutschland und hier hat es blauen Himmel!

So startet der Weg heute mit gut sichtbarer Sonne. Bei eine längeren Pause, bei der wir hinter einer Hecke im Windschatten und in der Sonne liegen, genießen wir das Wetter.

Dann geht es munter weitet und in der nächsten großen Stadt gibt es einen Kaffee. Dabei wird die Übernachtung gebucht und die letzten sechs Kilometer unter die Füße genommen.

Das heutige Domizil ist auf dem Gelände einer sehr alten Burg in Sarzay und der alte Chevalier begrüßt uns persönlich. Abendessen gibt es im einzigen Restaurant des Ortes und wir lassen uns das Menu de Pelerain gut Schmecken.

Heute habe ich die halbe Strecke nach Santiago de Compostella geschafft!

Jetzt habe ich weniger Kilometer vor mir als hinter mir und ich danke Gott für die Bewahrung und Führung bis hier her!

Der Himmel über Frankreich
Abendessen zur Halbstrecke

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Pilgern nach Saint-Plantaire (Tag 49)

Das WC auf französisch

Nach einem Frühstück in herrlichem Ambiente starten wir in den Tag bei ca. -1°C. Die Sonne gewinnt schnell an Kraft und nur der Wind bleibt den ganzen Tag kühl.

Bei einem Päuschen wird das öffentliche WC benutzt - siehe Bild.

Der Weg geht gut aber die Übernachtung will uns ein paar Kilometer vom Weg schicken. Aber in einem Lädchen wird uns zwei Kilometer auf dem Jakobsweg weiter ein Hotel empfohlen das nicht im Internet steht. Super Preis für Frankreich und es ist auch in Ordnung.

Pilgern nach Saint-Germain-Baupre (Tag 50)

Burgruine daneben Hotel
Unsere Übernachtung in einem sehr historisch eingerichtetem Zimmer.
Blätterteiggebäck mit Kartoffelfüllung

Nach dem Frühstück geht es am Bäcker vorbei...Tagesproviant ist ein Blätterteiggebäck mit Kartoffelfüllung.

Es ist wieder um den Gefrierpunkt und der Weg geht gut unter den Füßen. Auch heute bleibt der Wind kühl. Kurz vor Croisant kommen wir an einem Stausee vorbei und dann an einer Burgruine neben der ein Hotel steht. Hier beginnt, auch laut Pilgerführer, das am dünnsten besiedelte Gebiet Frankreichs und es wird etwas bergiger.

Auf einem Feld ist dann Pause angesagt und das Liegen in der Sonne. So kommen wir ohne schmerzende Füße in Saint-Germain-Baupre an, wo die Zimmervermietung zur Zeit geschlossen ist. Aber eine Pilgerunterkunft in einem alten Haus ist für uns geöffnet.

Pilgern nach Bénévent-l'Abbaye (Tag 51)

Ein altes Gestell für den Hufbeschlag der Pferde.
unterwegs
Schlafraum

Nach einem selbst vorbereiteten Frühstück ist wieder der Start kalt. Die Sonne setzt sich schnell durch und so geht es bei nicht ganz so kaltem Wind gut vorwärts. Die Landschaft ist nur wenig hügeliger und schnell sind wir in der nächsten Stadt. Nach dem Aufstocken der Obst- und Wurstvorräte gibt es einen Kaffee und ich schreibe endlich die wöchentliche Karte für Arthur.

Weiter geht es immer wieder an schönen braunen Kühen vorbei, die die seltsamen Deutschen interessiert beäugen.

Bei einer Pause in der Wiese liegend klären wir die Pilgerunterkunft in Bénévent-l'Abbaye. 17.20 Uhr vor Ort ist das ein winziger Raum mit zwei Doppelstockbetten und einem "Bad" von 2 Quadratmetern-einschließlich Dusche und WC. Wir waschen ein paar Sachen und gehen in ein kleines Restaurant.

Frühstück gibts morgen evtl in einer Bar und dann im Supermarkt. Da bin ich echt auf Spanien gespannt!

Pilgern nach Pont de Dognon (Tag 52)

Begleitung am Morgen
Unterwegs
Übernachtung

Zum Frühstück geht es in ein Cafe das aber kein Essen hat. Wir werden zum Bäcker geschickt um das Notwendige zum Kaffee zu holen.

Nach dem Start will uns ein Esel begleiten und wir sind fast versucht, ihm unsere Rucksäcke auf zu laden. Heute ist es bereits früh 7°C wärmer als gestern. Zum Glück gibt es viel Schatten von den Bäumen!

Mit mehreren Pausen erreichen wir 17.30 das geplante Hotel .... aber niemand öffnet trotz vehementen Klingelns. So geht es einen Kilometer zurück zu einem Campingplatz, wo auch keiner da ist.

Aber mit dem Telefon können wir alles klären. Restaurant und Snackbar bleiben aber geschlossen. Wir bekommen Nudeln und Zubehör zum Selberkochen. Der junge Mann hat mitgedacht und lokales Bier und Mikrowellenessen mitgebracht, für uns ein gutes Abendbrot!

Pilgern nach Limoges (Tag 53)

Zum dritten Mal die Brücke
Pilgers Pause
Die Kathetrale in Limoges

Nach einem, mehr oder weniger, improvisierten Frühstück in der Hütte auf dem Campingplatz starten wir und gehen zum dritten Mal über die Brücke. Es ist angenehm warm und ein kühler Wind weht. Wir kommen gut vorwärts und pausieren auf der Wiese liegend.

Zwar hab ich schon den zweiten Tag keine gute Stimmung, aber es geht immer weiter. Sieben Kilometer vor unserem heutigen Ziel gibt es noch einen Kaffee.

So suchen wir dann in Limoges die Pilgerunterkunft auf ... geschlossen! So geht es uns auch mit den günstigen Hotels. Aber durch ein Zweibettzimmer ist auch eine bessere Unterkunft kein Preisrekord.

Bei Pizza und Wein bereitet sich der Pilger dann auf die Nacht vor.

Pilgern nach Les Cars (Tag 54)

unterwegs
beim Abendspaziergang

Nach einem superguten und umfangreichen Frühstück starten wir von Limoges. Es ist gleich etwas wärmer und der Wind kommt erst später auf.

Die Landschaft ist bei jedem Blick sehr schön und es ist ein gutes Fortkommen.

Am angedachten Zielort sind alle Plätze bereits reserviert und wir lassen uns im folgenden Ort eine Übernachtung, obwohl eigentlich Ruhetag ist, bestellen. Hier wäscht die Maschine sogar unsere Wäsche und wir machen noch einen erholsamen Abendspaziergang.

Pilgern nach La Conquille (Tag 55)

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Der Morgen ist, wie angekündigt, sehr trübe. Nach dem Frühstück starte ich mit Pilger Emil in Richtung Bahnhof und verpassen eine Abzweigung...hm. Macht 15 Minuten länger.

Noch eine halbe Stunde vor Abfahrt sind wir vor Ort und Emil kauft seine Fahrkarte. Wir nehmen von einander Abschied nach zwei Wochen gemeinsamen Pilgerns.

So gehe ich wieder allein weiter und komme 13.00 in La Conquille an. Die erste Unterkunft ist voll belegt und ich frage in der Zweiten nach - ab 16.00 kein Problem. So trinke ich noch einen Kaffee und warte nach dem Kirchenbesuch unter einem Dach auf der Bank sitzend.

Evtl. kann ich ja auch in das Refugio (ab 17.00 offen) wo alles etwas preisgünstiger ist. Gegen 15.00 fängt es an zu regnen und ist kühl. So plane ich den nächsten Tag.

Ich finde Platz im Refugio und bin der Erste. Dazu kommen dann noch 2 Franzosen, ein Holländer und ein Norweger. Ich bin der Einzige der kein Französisch kann ...

Pilgern nach Sorges (Tag 56)

Wieder sehr lang gerade aus
Refugio in Sorges

Nach einem etwas früheren Start geht es als Erster von der Pilgerherberge allein auf den Weg. Es ist kühl, bedeckt und gelegentlich gibt es ein paar kleine Tropfen. So bekommt der Rucksack seine Regenhülle, aber mir genügt weiterhin die Regenjacke. Ich gehe den als etwas kürzer ausgeschrieben Weg und bin 11.00 in Thiviers.

Dort kaufe ich eine Karte für Arthur und neue Fußcreme. Nach dem Besuch der Kirche gehe ich einen schönen heißen Kaffee trinken und schreibe die Karte. Die geht gleich noch zur Post und ich breche wieder auf.

Unterwegs sehe ich einen Dachs der sich verfangen hat aber mich beim Näherkommen mich so anfaucht, daß ich ihn nicht zu befreien wage. Es ist aber direkt am Feld und er wird sicher vom Bauern befreit.

Dann komme ich wieder auf eine schnurgerade Straße (Bild) die noch vier mal genau so weiter geht wie auf dem Bild. So komme ich recht schnell in Sorges an, gehe in die Kirche und suche dann das Refugio. Auf dem Dorfplatz sitzt ein älterer Mann mit Rucksack im kalten Wind. Da vor der Herberge kein Wind weht, spreche ich ihn an. Wie vermutet auch ein Pilger der dann mit in den Windschatten kommt.

Das Refugio öffnet wegen uns dann auch früher und bei Kaffee und Tee erledigen wir die Formalitäten. Später gibts Skype mit Lea und Arthur. Gemeinsam wird gekocht und der Abend kann kommen.

Pilgern nach Saint-Astier (Tag 57)

der Morgen
Die Sonne kommt raus
Terrasse der Unterkunft

Der Start am Morgen ist kalt und nach dem ich das Foto geknipst habe wird der Nebel noch viel dichter. Nach einigen Kilometern kommt aber doch die Sonne durch. Ich schreite gut aus und komme 11.30 in Pèrigueux an.

So gab es erstmal einen Kaffee, ein Brötchen und ein Eclair (die sind hier richtig gut!). Nach dem Besuch der Kirche gehe ich weiter, erst mal falsch (+2km) und dann an einer stark befahrenen Straße entlang. 13.00 mache ich im kurzen Gras eine halbe Stunde Pause. Die Füße freuen sich!

So komme ich 16.45 in Saint-Astier an, gehe Einkaufen für die Pausen der nächsten Tage, und suche eine Unterkunft. Die ist super und recht günstig. Dann gibt es noch Abendbrot im Restaurant. Die Unterkunft für morgen hat mir die nette Vermieterin auch gleich reserviert. Das entspannt nochmal.

Pilgern nach Saint-Géry (Tag 58)

Dunst am Morgen
Unterkunft

Der morgendliche Blick aus dem Fenster zeigt mir den Dunst der aus dem Fluß aufsteigt. Scheint mal wieder kalt zu werden. Nach dem Frühstück hat sich aber schon ein großer Teil verzogen, so das ich weder Handschuhe noch Windjacke benötige. Die Temperatur bleibt aber den ganzen Tag im angenehmen Bereich.

So geht es gut vorwärts und ich komme gegen Mittag in Mussidan an. Diese wirkt auf mich eher trist ... oder ich hab die schönen Stellen noch nicht gesehen.

Beim Bäcker hole ich mir Kaffee, Baguette und ein Eclair und pausiere neben der geschlossenen Kirche. So geht es zum letzten Stück des Tages und ich erreiche nach nochmal anderthalb Stunden den Ort Saint-Géry und lasse mir von Passanten den Weg beschreiben. In einem fast herrschaftlich wirkenden Anwesen werde ich heute Nacht beherbergt.

Pilgern nach Pellegrue (Tag 59)

Weingegend
Weingegend

Der Start war heute nicht so kalt ... dafür wird es auch echt wärmer. Nach der Mittagspause (halbe Strecke) komme ich jetzt auch sichtbar in eine Weingegend. Es wird anstrengender mit dem Gehen aber ich habe ja "keine" Wahl.

So mache ich nach anderthalb Stunden eine "Liegepause" und dann alle Stunde 5 min. Im Refugio in Pellegrue angekommen treffe ich auf eine junge Deutsche und ein französisches Ehepaar. Ich gehe einen Wein trinken und diese Zeilen zu schreiben. Morgen soll es ab 14.00 regnen, so plane ich eine kürzere Strecke.

Pilgern nachLa Réole (Tag 60)

Maschinen für den Weinberg
Blick aus dem Fenster auf den Regen

Nach einer langen Nacht (kaum geschlafen) packe ich ganz leise um niemand zu wecken. Da sich die Küche im Schlafraum befindet, trinke ich nur löslichen Kaffee und plane das Essen draußen auf einer Bank. Da die Anderen aber langsam wach werden, esse ich mein Baguette drinnen.

So starte ich 7.30 bei etwas Sonne und viel Wind. Der gestrige Tag steckt mir noch in den Knochen, oder besser in den Oberschenkelmuskeln. Da auch heute ab 13.00 starker Wind und Regen prophezeit wird, habe ich weniger Kilometer geplant. So gehe ich, wegen der Muskeln, etwas langsamer und kämpfe gegen den stärker werdenden Wind an. Ein paar Kilometer vor dem Tagesziel treffe ich auf drei ältere Pilger, ein Paar aus Südafrika (Buren) und eine Französin. Ein kurzer Schwatz und ich stapfe weiter.

In La Réole beginnt es zu Tropfen, aber ich bin ja im Zielort. So trinke ich einen Kaffee und schaue dem stärker werdenden Regen zu. Eine etwas günstigere Unterkunft liegt mehrere Kilometer außerhalb aber bei dem Wetter ....

Auf dem Weg zum angedachten Zimmer treffe ich auf die Südafrikaner welche den Weg suchen. Mit dem GPS helfe ich ihnen weiter und ein "bon Camino" ist dann der Abschied.

In meinem Zimmer plane ich für morgen und lasse meine Vermieterin für mich reservieren. Da morgen der erste Mai ist hat praktisch alles zu wenn man nicht angemeldet ist. So entspanne ich die Füße unter der Dusche und dann im Bett, wobei ich Wind und Regen zuschaue.

Pilgern nach Bazas (Tag 61)

Am Morgen
Warten am Ziel

Nach dem Frühstück mit einem belgischen Paar, welches mit dem Fahrrad vom Mittelmeer zum Atlantik fährt, starte ich in den Sonnenschein. Doch wie schon prophezeit fängt der Regen an!

Glücklicherweise, als ich kurz vor einer Autobahn bin, kann ich mich gut geschützt unter einer Brücke umziehen. In voller Montur gehts weiter und bald ist die Sonne wieder da. Bei der Pause am Zwischenziel packe ich die Regensachen wieder ein und will mich dazu auf eine Bank setzen. Da sitzt doch Franziska die vorgestern auch im Refugio war. Wir lachen darüber, aber als ich zu essen anfange rennen wir in den Blumenladen. Dort wird die Regenausrüstung angelegt, aufgegessen und wir gehen die Reststrecke gemeinsam nach Bazas.

Franziska soll 17.00 vor der Kirche sein wird dort von einer Familie abgeholt werden. Ich kann schon 16.00 in meine Unterkunft, habe aber auch noch Zeit. So sitzt man in der Sonne und auch die beiden Südafrikaner kommen vorbei ... warten auch auf Abholung.

In meinem Quartier treffe ich Alexander der mit dem Fahrrad unterwegs ist und wir gehen gemeinsam eine Pizza essen. Netter Kerl, interessantes Gespräch.

Die Unterkunft für morgen hab ich geklärt ... wieder viele Kilometer und gemeldeter Regen dazu.

Pilgern nach Retjons (Tag 62)

Auf halbem Weg scheint wieder die Sonne
Gerade aus bis zum Horizont

Schon beim Start regnet es ordentlich und ich lege gleich meine volle Montur an. Der Jakobsweg soll mir heute eigentlich wieder viele Kilometer bringen!

Es geht auch zügig voran und als ich mittags beim Zwischenziel eintreffe scheint die Sonne. Etwas zum essen kaufe ich schnell und sitze vor der Kirche auf der Bank beim Verzehr. Schnell geht es weiter und bei etwas Wind wechseln dunkle Wolken und Sonne. Da hab ich meine Regensachen nicht ganz weggepackt - trocknen so auch schneller.

Eine weitere Pause nach zwei Stunden verbringe ich auf der Treppe eines Trafohäuschens. Der letzte Anschnitt ist schon in den Beinen zu merken, aber ultrea also weiter!

An der Unterkunft angekommen werde ich freundlich empfangen und werfe meine Sachen im Zimmer ab. Der nette Wirt macht noch Fotos von mir am nur-noch-1000km-bis-nach-Santiago-Stein. Nach der Dusche genieße ich auch noch das Abendessen und bereite mich auf die Nacht vor.

Sonderbericht: "Nur noch tausend Kilometer"

Ulf-1000.jpg

Pilgern nach Mont-de-Marsan (Tag 63)

Der morgendliche Himmel
Ausruhen in der Sonne

Der Morgenhimmel verspricht schönes Wetter und ich komme früh los. Heute ist die größte Strecke auf einer vielbefahrenen Landstraße ... also aufpassen und in den Seitenstreifen gehen ist angesagt.

Mittagspause mache ich an einem verlassenen Restaurant und aale mich in der Sonne. Dann nehme ich die restlichen Kilometer unter die Füße wobei der Verkehr durch die Laster echt heftig wird. Die Stadt beginnt mit vielen Autohäusern und dann Betriebsruinen in großer Zahl.

Den Schlüssel zum Refugio gibt es im asiatischen Supermarkt wo ich gleich das Abendessen kaufe. So genieße ich jetzt die Sonne und palavere auf Englisch mit einem älteren französischen Pilger.

Pilgern nach Hagetmau (Tag 64)

Der Morgen
Zickade am Weg

Heute ein früher Start gleichzeitig mit dem Franzosen. Es ist angenehm kühl und ich komme auf Feld-, Wald- und Wiesenwegen gut voran. Am Zwischenziel kaufe ich einen Rotebeetesalat und esse auf einer Bank vor der Kirche. Es ist sehr warm aber ich komme gut weiter. Nach einen steilen Anstieg im letzten Ort vor dem Ziel, trinke ich in der Bar einen O-Saft und nehme die letzten Kilometer unter die Füße.

In Hagetmau führt man mich umständlich um die Stadt ... vielleicht wegen des Refugio ... also halte ich die Augen auf. An der Kirche werde ich wieder zurück geschickt und finde das Refugio. Es war vom Weg aus nicht zu erkennen. Aber ich komme nicht rein und bitte eine Frau aus einem Laden um einen Anruf. Dann kommt ein deutscher Pilger dazu der mir erklärt das am anderen Ende der Stadt im Schwimmbad zu bezahlen wäre und der Türcode herausgegeben wird. Die Dame fährt mich gleich hin und auch wieder zurück. Mann muss ich fertig ausgesehen haben!

Pilgern nach Orthez (Tag 65)

Unterkunft

Der Start ging heute gut und früh. Jedoch war die Stimmung schnell im Keller obwohl es keinen besonderen Anlass gab. So kämpfte ich mich Meter für Meter weiter. Glücklicherweise stand heute nur eine, für mich, kürzere Etappe auf dem Plan. Zeitweise gab es etwas Niesel aber so das ich noch keine Jacke brauchte.

Von einer Hügelkuppe sah ich zum ersten Mal die Pyrenäen ... grandios und mit schneebedeckten Gipfeln.

Ein paar Kilometer vor dem Zielort holte ich dann meinen Zimmerkollegen von letzter Nacht ein. Gemeinsam fragten wir uns in Orthez zum Refugioschlüssel durch und waren gegen 14.00 in der Herberge.

Anmerkung der Schattenredaktion: Bis nach Spanien sind es nur noch ca 111 Kilometer. Das sind reichlich 3 Tagesetappen.

Pilgern nach Saint Palais (Tag 66)

Pause auf dem einzigen trockenen Sitz

Da der Regen der Nacht aufgehört hat starte ich zur üblichen Zeit. Aber die Wege sind schlammig und zum Teil steil. Auch geht es heute mehrfach 50 bis 200 Meter im Bogen um 20 Meter Straße zu umgehen. Hätte ich nur das GPS eingeschaltet, hätte ich das umgehen können. Aber ich komme gut vorwärts und bin 16.00 im Zielort Sanit Palais an.

Ein französischer Pilger lotst mich gleich zur Unterkunft und ich kann ausruhen. Heute kamen die Pyrenäen noch näher ... na das wird "lustig"!


Pilgern nach St. Piet de Port (Tag 67)

Erster Blick auf die Pyrenäen
Unterkunft

Heute bin ich in St. Piet de Port angekommen und werde morgen mit dem Überqueren der Pyrenäen beginnen. Damit bin ich morgen Abend, so Gott will, in Spanien.

Pilgern nach Roncesvalles (Tag 68)

IMG 6496.JPG

Schon vor 6.00 trage ich alles in die Küche und packe. 6.00 Frühstück und einige kommen in Hektik. So starte ich 6.30 aus St. Jean PdP. Schnell geht es bergauf und einige die gestern abend zusammen saßen machen ihre Späße als ich an ihnen vorbei gehe. Mit einem netten Holländer komme ich ins Gespräch und wir gehen den Berg gemeinsam hinauf. Es ist sehr steil und lang aber schnell gewöhne ich mich daran. Den Grenzübertritt bemerken wir nicht obwohl wir die Augen offen halten...also gibt es das erste Foto in Spanien erst später.

Bergab ist es steil und wir machen im Windschatten die erste Pause. Der Rest der Tagesstrecke geht schnell und überraschend früh ist Roncesvalles erreicht. Einchecken im Refugio, Essen buchen und Wäsche waschen.

Morgen werde ich live über die Tagesstrecke entscheiden.

Adios

Die Wanderroute von Ulf Leipoldt auf dem Jacobsweg in Frankreich

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