Ich bin dann mal weg - Deutscher Teil

Aus Ulfs Jacobsweg
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Europäische Jacobswege

Inhaltsverzeichnis

Ulf Leipoldt startet auf eine lange Pilgerreise nach Compostela und nimmt Abschied von Mülsen (Tag 1)

Aufbruch um sechs Uhr am Morgen in Mülsen.
Verabschiedung von Birgit
Verabschiedung von Michael.
Jetzt wird es ernst.
Wohin wird mich der Weg führen?
Immer der Sonne entgegen.
Letzte Stippvisite beim Zahnarzt.

Der Start läuft gut, nur das Startfoto will nicht so richtig.

Wie besprochen hole ich mir den ersten Stempel in meinen Pilgerpass bei "meinem Dorfpfarrer" - Danke Markus!

Auf dem nächsten Stück wird es mir abwechselnd leicht und schwer ums Herz. Ein Klingeln reißt mich aus meinen Gedanken. Es ist sieben Uhr, Micha fragt wo ich bin und kurz darauf treffen wir uns zum Abschied.

Kaum bin ich nach der Verabschiedung zügigen Schrittes 100 Meter den Weg bergab, ruft Micha im rennen: "Du hast was vergessen ... mich!" und kommt an diesem Tag mit. Gibt mir so zu sagen einen Anschubs.

Da mir gestern ein Stück Zahn ausgebrochen ist habe ich gleich noch einen Termin beim Zahnarzt der nicht weit vom Weg praktiziert. Es wird nur geschliffen und poliert und ich kann los... danke ans Team.

Recht zügig geht es weiter und schon erreichen wir das Tagesziel nahe Waldkirchen. Meine Gastgeberin kommt gerade vorbei gefahren und so richte ich mich ein, lese und bekomme ein leckeres Abendessen, ein Glas Wein und ein angenehmes Gespräch. Danke Anett.

Pilgern von Waldkirchen nach Oelsnitz (Tag 2)

Kurz vor Oelsnitz...aber nicht meine Schuhe!
Hinter Altmannsgrün
Auf dem Perlaser Turm

Gleich mit Aufgang der Sonne geht es 6:30 Uhr in Waldkirchen wieder weiter. Das Ziel für heute ist Oelsnitz.

Bei dem guten Wetter heute läuft es sich gut, abgesehen vom starken Wind.

Die Füße ... au, aber ging ganz gut. Die Knie sind kein Problem, da beim Start Voltaren Tbl.

Mal schauen, ob sich's morgen einläuft oder der Tiefpunkt noch (lange?) nicht erreicht ist.

Ankunft 15:00 Uhr in der Pilgerunterkunft in einer ehemaliger Pfarrwohnung in Oelsnitz.

Pilgern von Oelsnitz nach Hof (Tag 3)

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Funkturm (ehemaliger Grenzwachturm)

Nach einer guten Nacht und einem kleinen Frühstück beim Bäcker um die Ecke, geht es 6:30 Uhr im dezenten Dämmerlicht auf den Weg.

Erste Gaffer am Wegesrand (Bild mit Kuh) lasse ich schnell hinter mir. Nach mehreren verpassten Muschel-Wegweisern hilft mir mein GPS wieder auf den richtigen Weg.

An einem ehemaligem DDR Grenzpostengebäude kann ich gegen 11:00 Uhr das Dreiländereck passieren - den Schlenker bis direkt da hin spare ich mir. Beim Bäcker in Neundorf, Micha wird sich erinnern, gibt es noch Kuchen und Kaffee.

Wieder große Umwege bringen mich nach Hof.

Nach einigem Suchen finde ich das Pflegeheim wo es auch Betten für Pilger gibt. Auf Empfehlung einer Schwester vom Heim lande ich in einer idyllischen Restauration - super "Pilgermenü"

Blick auf Hof
Pilgermenü

Pilgern von Hof nach Helmbrechts (Tag 4)

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Der Morgen beginnt mit einem kühnen Sprung aus dem Bett. Auaaa das rechtes Knie Referenz zu dem Wort Knie ist dick. Dagegen hilf der Entzündungshemmer Diclo50 zum Frühstück, ich habe ja genug davon mitgenommen.

Ich bin bis heute schon gut vorwärts gekommen und Sonntag ist auch, somit wird das Tagespensum gekürzt. Bis Helmbrechts sind es nur 21 km, das sollte zu schaffen sein.

Ups, man hat heute schon versucht mich zu erreichen. Zum Glück hab ich das Handy eben eingeschaltet. Rückruf zu Hause - OK, das kann ich erst morgen klären.

Starte also verspätet. Mal scheint die Sonne, mal versucht es zu regnen, aber immer mit ordentlich Wind! Hier liegt noch öfters ein Häufchen Schnee am Wegesrand. Bei meist matschigen Wegen treffe ich unterwegs nur eine einsame Reiterin. Deren Pferd möchte nicht an mir vorbei.

Das rechte Knie macht mir wirklich immer mehr Ärger, so dass ich froh bin, kurz nach 12:00 Uhr das Gemeindehaus in Helmbrechts gleich neben der Kirche zu erreichen. Der nette Empfang entschädigt für die Strapazen, aber die viele Stufen nach oben .... Jetzt erst mal die Knie bis zum Abendbrot hochlegen und dann sehen, ob morgen nicht die erste Zwangspause sein muss.

Der letzte Schnee vom Winter hat auch sein Gutes. Davon genug in eine Plastiktüte gepackt, eignet sich hervorragend als Kühlkompresse für das geschwollene Knie.


Pilgern von Helmbrechts nach Himmelkron (Tag 5)

Blick aus meinem Fenster
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5:30 Uhr endlich aufstehen.

Der Blick aus dem Fenster zeigt zwei Zentimeter Neuschnee. Schnell zwei Hände voll Schnee in eine eine Tüte hinein und fertig ist der Kühlbeutel fürs Knie!

Nach der ersten Kühlrunde alles Gepäck im Rucksack verstauen, Tee in der Küche kochen und ein trockenes Brötchen dazu - lecker! Während des zweiten Kühlens ein bisschen in der Bibel lesen, heute von König Hiskia.

Gegen 8:00 Uhr Start mit dem Gedanken, nur bis Marktleugast (550 m über Meereshöhe) zu laufen. Schnee Schlägt mir entgegen, dann Regen, Schneeregen und dann alles im Wechsel.

Dank meiner Ausrüstung kein Problem und das Schwitzen stört mich seltsamer Weise nicht (ich jauche ...wie Ronny zu sagen pflegt), aber lieber warmes statt kaltes Wasser!

11:30 Uhr in Marktleugast ist außer dem Bäcker (Brötchen und Kaffee) nichts geöffnet und ich ziele nach dem Original Etappenziel Marktschorgast. Hier hat auch alles zu, auch Pensionen und Hotels.

So geht es weiter bis Himmelkron wo mir im Weltladen gleich der Pfarrer geholt wird. Da es ein Truckerhotel an der Autobahnkirche gibt wähle ich den Fußboden des Gemeindehauses ab, denn die Klamotten müssen ja auch bis morgen trocknen.

Dafür werde ich zur Taizeandacht in die Autobahnkirche gehen. Danken, dass ich ungewollt und überraschend gut über 30 km gepilgert bin. Ich habe dabei die meiste Zeit gesungen.

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Schnee in Helmbrechts Himmelkron


Von Himmelkron nach Bayreuth (Tag 6)

Wegweiser nach Crottendorf
Stadtkirche Bayreuth
Regen

In dieser Nach habe schlafe ich super. Alle meine Klamotten sind trocken, außer meinen Wanderschuhen.

Um 6:00̷Uhr bin ich am Frühstücksbuffet und esse zu viel.

7.00 Uhr starte ich trotz Nieselregen, der dann richtiger Regen wird. Bin aber super gut unterwegs. Wegweiser Crottendorf 1 km ... bin ich mal irgendwo falsch abgebogen? Den Ort gibt es ja bei uns im Erzgebirge?

Ich denke irgendwann: Hatte ich nicht was mit dem Knie? Erst am Anfang von Bayreuth meldet sich das Knie dezent.

In der Post schicke ich den Pilgerführer "Sachsen-Hof" nach Hause. Dazu kaufe ich drei Umschläge und hinterlasse die Überzähligen mit der Auflage zur kostenlosen Weitergabe.

Dann gleich noch beim Pfarrer angerufen, und der Mobilbox erzählt, dass ich eine Übernachtung suche.

Ich gehe weiter und folge der Muschelmarkierung in Richtung Bahnhof, vorbei an einem Bäcker um einen warmen Kaffee zu trinken. Dort fragt man nach meinem Pilgerweg und staunt.

Weiter zur katholischen Kirche und dann in die Evangelische. Die ausgehängten Luthersprüche gehen mir echt nahe. Als ich endlich allein bin, singe ich zwei Lieder richtig laut. An der Stempelstelle hole ich noch einen Stempel für den Pilgerpass.

Ich spaziere weiter umher und warte auf den Rückruf. Um die Zeit zu überbrücken trinke ich noch einen Kaffee bei einem Bäcker, das Warten auf den Rückruf ist anstrengend!

Um eins erreiche ich dann endlich den Pfarrer von der Pilgerunterkunft. Ab 18:00 Uhr könnte ich anreisen, die Unterkunft liegt aber mehrere Kilometer in falscher Richtung. Statt dessen gehe ich, im dezenten Sonnenschein, in die Jugendherberge. Knie kühlen und für morgen planen.

Von Bayreuth nach Pegnitz (Tag 7)

Kirchentürgriff in Pegnitz
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Das Frühstück in der Jugendherberge beginnt erst 7:00 Uhr. Ich betrete mit fertig gepacktem Rucksack in der Hand, als Erster den Speisesaal.

Nach 20 Minuten stehe ich in voller Regenmontur am Ausgang. Kreativ suche ich den Anschluss an den Jakobsweg und stürze ein wenig in einen schlammigen Graben. Nix schlimmes passiert, nur die Hose sieht entsprechend aus. Nach kurzer Wanderstrecke kann die Regenhose und dann auch die Regenjacke einpacken.

Die haben hier, nur für die Wanderer, eine große Eisenbrücke in den Wald gebaut und der Weg dahinter ist nur per Gps zu finden!

Ich genieße die gelegentlichen Sonnenstrahlen und fresse förmlich die Kilometer. 10:30 Uhr Bäckerpause in Creußen und weiter Richtung Pegnitz.

Kurz vor der Stadt pfeift der Wind kräftig und ich brauche meine Jacke wieder. Auf der restlichen Strecke fängt auch das Knie wieder an, aber das halte ich durch.

Den Schlüssel zum Gemeindesaal und den Pilgerstempel bekomme ich zügig und kann dann in die Kirche. Mal schauen was die Planung für morgen ergibt.

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Pilgern von Pegnitz nach Gräfenberg (Tag 8)

Pegnitz am Morgen
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Hiltpoldstein

Der Start glückt ganz gut, kein Regen und kein Wind. Ich bin schon bald wieder ohne Jacke unterwegs. Die meiste Zeit führt der Weg durch Wald, wenige Felder und kaum Straßen, nicht der Rede Wert. Es geht einige Stellen so steil hoch, dass auch ohne Rucksack die Wanderstöcke nötig wären.

Einige Male ist der Weg durch umgestürzte Bäume versperrt, wobei oft auf beiden Seiten tiefer, schlickiger Morast ist. Die Lage des Baumes und der Äste verhindern ein Überklettern.

12:00 Uhr beginnt leichter Niesel bis Regen. In Gräfenberg angekommen werden schnell im Norma die Vorräte ergänzt und einige Minuten mit einem Mann gesprochen, der sehr interessiert an meiner Wanderung ist.

Jetzt führt der Weg an einem Denkmal vorbei ... und dann viiiele Stufen nach unten - das einzige mal, dass sich mein Knie meldet.

Gegen 14:00 Ankunft am Pfarrhaus und damit bei meiner heutigen Unterkunft.

Pilgern von Gräfenberg nach Nürnberg (Tag 9)

Sonne am Vormittag
Langer Weg
Erster Nürnbergblick
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Pilgern von Nürnberg nach Roßtal (Tag 10)

Nach einer angenehmen Nacht und einem herzlichen Abschied geht es wieder zurück nach Nürnberg einen Ruhetag genießen. Aber der Trubel nervt mich und ich finde nichts, das aus meiner Sicht zum Ansehen lohnt.

Also beschließe ich etwas weiter zu gehen und dabei eine Unterkunft zu suchen. Stadtauswärts ist die Ausschilderung auf großer Strecke absichtlich entfernt also nur per GPS laufen. Irgendwann kommt der Wald und ehe ich bemerke bin ich in ... und entschließe mich zum weitersuchen.

Unterwegs wechselt das Muschelzeichen von stilisiert gelb auf blau zu weiß auf blau - muss ich mich dran gewöhnen.

Ein netter Plausch mit einem älteren Paar mitten im Wald gibt eine kleine Pause. So komme ich gegen 16:30 Uhr in Rosstal an wo mir eine Unterkunft, mit kalter hausgemachter Küche, empfohlen wird.

Leider keine Zimmer zur Zeit und ich klingel am Pfarrhaus wo mir spontan Zugang zum KiGo-Raum gewährt wird. Ich nehme die kalte Küche im "weißen Lamm" und habe gleich echte Bettschwere.

In Rothenburg o.d.T. muss aber ein Pausentag sein ... zur Not mit Wein den ganzen Tag!

Pilgern von Roßtal nach Weihenzell (Tag 11)

Beim Bäcker
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Moin, moin
Heute ein früher Start ohne Frühstück. Das Gras ist noch gefroren aber die Sonne scheint schon. So geht es straffen Schrittes auf meist guten Wegen bis Wendorf. Dort besuche ich den Gottesdienst.

Dann weiter bis Heilsbronn mit "Bäckerpause". Die Zeit nutze ich um meine Sonnenbrille rauszuholen. Angekommen in Weihenzell hole ich mir den Pilgerstempel in der Kirche und beschließe einen Kilometer abseits vom Jacobsweg zu nächtigen. Also heute nicht bis Lehrberg.

Bis Rothenburg o.d.T. sind's noch 45km.

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Heilsbronn

Von Weihenzell nach Rothenburg (Tag 12)

von da gekommen
da übers Tal gehts
Rothenburg am Horizont

7.00 Start nach einem leckeren Frühstück.

Es geht zügig voran und ich schlage den Rat meiner letzten Zimmerwirtin, einen Ort vor Rothenburg zu übernachten in den Wind. Zwar schmerzen die Füße aber ich möchte in Rothenburg schlafen.

Ziemlich knülle lasse ich mir in der Touristinfo ein günstiges Zimmer raussuchen und bin in 5 Minuten auf dem Bett. Idyllisch!!! Ein kleiner Rundgang, Stempel holen und ich bin geschafft und am Ende.

45 km (nur zum mitfühlen, nicht zum angeben!) liegen heute hinter mir.

Rothenburger Kirche
Mein Zimmer

In Rothenburg (Tag 13)

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Blick von der Stadtmauer

Nach einer ruhigen Nacht und einem guten Frühstück (direkt unterm Dachfirst) mache ich einen Stadtrundgang. Ein "Frauchen mit Hund" auf Morgenrunde, die ursprünglich aus Rodewisch stammt, hält einen netten Schnack mit mir und nach einem weiteren Käffchen schaue ich mir die Stadt an.

Nach 10.00 gehe ich in die Jakobuskirche (für Pilger ohne Eintritt) und schaue mich um. Eine halbe Stunde stille Andacht und ich singe wieder richtig laut - trotz der anwesenden 6 Asiaten. Wahnsinns Akustik!

Weiter Spaziergang bis zum Mittagssüppchen und der Mittagsschlaf geht überraschend bis 16.00.

Einkaufen, Essen und bald Nachtruhe - so sieht ein Pausentag aus!

Pilgern von Rothenburg nach Langenburg (Tag 14)

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Nach einem guten Frühstück starte ich 7:30 Uhr.

Ich verlasse Rothenburg auf verschlungenen Pfaden und habe einen schönen Blick zurück. Langsam laufe ich mich wieder ein und komme gut voran. Mittags in Schrozberg eine Kaffeepause und der Pfarrer von Langenburg empfiehlt mir ein Baumhaus in einer Schäferei.

Leider ist das für dieses Jahr noch nicht benutzungsbereit und ich suche mir die "günstigste" Übernachtung in der Nähe. Das Frühstück ist erst ab 8.00 Uhr verfügbar, daher wird es rausgerechnet und ich werde dann zum Bäcker gehen.

Anmerkung von der Schattenredaktion: Dieser Tag wurde von der Bäckerinnung gesponsort.

Pilgern von Langenburg nach Schwäbisch Hall (Tag 15)

Der Start in den heutigen Tag.
Lämmer auf der Weide
Die Kocherbrücke in Schwäbisch Hall

Pünktlich 6.00 Uhr verlasse ich das Haus in Richtung .... Bäckerei.

Ein ziemlich nebliger Morgen und der Weg führt steil bergab, über eine Brücke und dann ordentlich bergauf.

Ich passiere die Schafe, die zum leider noch nicht bereiten Baumhaus gehören. So viele kleine Lämmer! Häufig in Bach- bzw. Flußnähe ist es doch recht kühl.

Ich erspähe durch den Nebel die Autobahnbrücke über den "Kocher" und komme gegen Mittag in Schwäbisch Hall an. Nach dem Kirchenbesuch mit Stempel für den Pilgerpass, kläre ich die Übernachtung bei Birgits Onkel.

An einer Kirche am Weg steht der Hinweis, auf eine Kaffeepause für Pilger in 30 Metern. Dort erhalte ich den Kaffee und mache längere Pause mit einem netten Plausch und einem lustigen Bild. 15.00 Uhr komme ich beim Tagesziel an und lasse es mir gut gehen

... danke Onkel Johannes.

Der Marktpatz in Schwäbisch Hall
Hier ist eine Pilgerpausenstelle zu finden.

Pilgern von Schwäbisch Hall nach Allmersbach (Tag 16)

Am Weg
bergab

Gegen 7.30 Uhr verabschiede ich mich von Onkel Johannes und begebe mich zum Jakobsweg. Bald geht es im Wald steil bergauf um dann auf schmalem steilen Pfad wieder nach unten zu gelangen.

Heute läuft es nicht so gut, aber im Pfarramt in Murrhardt bekomme ich meinen Stempel des Tages. Eine Pause und weiter geht es wieder mal bergauf.

Ein Auto hält an und der Fahrer fragt: "Pilger? Willst Du einen Kaffee?" Ich bejahe und er fährt einen Kilometer voraus nach Hause und setzt gleich den Kaffee an.

Es folgt ein supernetter Plausch und die Empfehlung der bereits anvisierten Unterkunft in Steinbach. Der Weg zieht sich und am "Ziel" erfahre ich das alle Unterkünfte geschlossen sind. Ein Mann empfiehlt im nächsten Ort die Missionsschule, wo dann wegen Umbaus nichts möglich ist und die Pension ist auch voll.

Bei der nächsten angegebenen Übernachtungen geht keiner ans Telefon. Eine weitere Unterkunft ist sehr teuer liegt weit ab vom Weg, also keine Alternative. Weiter gehts in den folgenden Ort. Dort frage ich die Damen beim Fleischer nach einem Tipp und werde in einem anderen Ortsteil von Allmersbach im Tal im Hotel fündig.

Wenn das nicht gewesen wäre, hätte ich bei deren Familie im Keller unterkommen können. Vielen Dank für die Hilfe und das Angebot!!!

19.00 Uhr gehe ich endlich aufs Zimmer und Ulf sagt: Gute Nacht!

Hab mich verlaufen.
Zaungäste

Pilgern von Allmersbach nach Winnenden (Tag 17)

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Schon beim Aufstehen sehe ich, dass es ordentlich regnet. Beim Start, in voller Regenausrüstung, schreite ich ganz zuversichtlich aus. Aber bald fängt es an in der Jacke nass zu werden, obwohl ich nicht schwitze. Scheinbar muss ich sie doch ersetzen bzw. ergänzen.

Nass und kalt komme ich nach 10 Kilometern in Winnenden an und suche eine Unterkunft. Die xte klappt und ich darf in einer Stunde vorbei kommen. So esse ich, zum Aufwärmen beim Italiener und gehe zur Unterkunft. Ein nettes Ehepaar überlässt mir das Gästezimmer.

Sachen trocknen, ausruhen und für morgen planen steht noch an.

Pilgern von Winnenden nach Denkendorf (Tag 18)

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Blüte

Nach einem guten Frühstück fährt der Hausherr zur Schlosskirche und nimmt mich gleich mit.

Der Abschied ist herzlich und ich stapfe mit mäßigen Schmerzen über dem linken Knöchel los. Schon bald geht es wieder fröhlichen Herzens die Wege bergauf und ab.

Auf den Wanderwegen gibt es keine Ortseingangsschilder, die Ortsnamen verschwimmen bei mir schnell. Ein großes Stück geht es auch durch Weinberge abwärts und auch wieder hoch.

Nach Esslingen komme ich nur durch sehr steil abwärts gehende Wege. An der Kirche bekomme ich den Hinweis das die kostenlose Sonntagsvesper vorbei sei. Ach darum sind hier so viele Bedürftige und man hat mich dazu gerechnet!

Gegen 14.30 Uhr überquere ich den Neckar und hole mir das deutsche Nationalgericht: Döner Kebab. Nach dem Verzehr kann ich die heutige Unterkunft in Denkendorf klären. Noch 8 Kilometer Weg, aua. 17.00 Uhr finde ich die Adresse und werde wieder sehr herzlich empfangen, wo bereits eine Gemüselasagne einen herrlichen Duft verbreitet.

Der Dick Turm in Esslingen
Esslingen

Pilgern von Denkendorf nach Rübgarten (Tag 19)

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Ein kühles Bier auf die ersten fünfhundert Kilometer! Prost!!
Heute sind die ersten 500 Kilometer geschafft!!!!!

Nach einem hervorragendem Frühstück werde ich herzlich verabschiedet und breche gleich auf. Ich brauche mir keine Jacke überzuwerfen.

Schon nach kurzer Strecke schmerzt es links oberhalb des Knöchels und an der Schienenbeinkante. Heute Abend muss ich unbedingt kräftig kühlen! Nachdem ich den ersten Hügel hoch bin mache ich den ersten Schnappschuß und marschiere weiter.

Die blöde Stelle sticht ganz schön und ist auch schon wieder dick. Im nächsten Ort hole ich mir eine kühlende Salbe und verbinde das ganze, es bringt so aber nicht viel.

Also langsam gehen, Pausen machen und Strecke kürzen. Gegen 14.00 Uhr kläre ich doch eine Übernachtung in Rübgarten und kämpfe mich weiter bis zum Bäcker.

Nun sitze ich an der heute geschlossenen Gaststätte der Unterkunft. Bein hoch und kühlen.

Pilgern von Rübgarten nach Tübingen (Tag 20)

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Besuch bei Ulf in Tübingen

Heute hat die Schattenredaktion Ulf in Tübingen besucht.

Ich kann bestätigen, Ulf ist zu Fuß bis hierher gewandert. Es geht ihm gut und ich habe mich gefreut, Ulf wieder einmal begrüßen zu dürfen.

Eine kleine Stärkung aus der Heimat und Brötchen vom Korb Bäcker haben ihm gut getan.

Viel Kraft auf dem weiteren Weg!

im Rotwildbereich
wieder lang geradeaus
Ehemalige Klosteranlage Bebenhaussen
Thübingen

7.15 Aufbruch nach einem guten Frühstück und mit einem straff gewickelten Bein. Das scheint es zu bringen, aber gleich ein Schwatz mit einen alten Herren der die Pilger bei einer Pause gern bewirtet. Schade, da es nur Alkoholika (wenn auch aus eigener Herstellung) gibt, da ich heute noch weiter will, trinke ich nichts.

Es geht dann bald wieder in den Wald und ich komme an ein Zaun der die Rehe von der Straße abhält - Tor auf/Tor zu. Nach dem Queren des Schutzgeheges komme ich an einer Nothütte vorbei - da würde ich auch schlafen. An der alten Klosteranlage pausiere ich und dann weiter straff bergauf. Dann über Wald und Feld bis nach Tübingen.

Stempel erhalte ich beim ....? Schuster!!

Privatunterkunft klären und essen. Dann Parkplatzsuche für meine Besucher, die zu einer Weiterbildung in der Nähe möchten. Kaffee und Käsesemmeln und nach dem Abschied ins Quartier.

Und 17.30 wieder ein herzlicher Empfang mit Anschluss an die Familie. Kartoffeln & Quark und nette Unterhaltung.

Pilgern von Tübingen nach Eckenweiler (Tag 21)

neuer Regenponcho
Wurmlinger Kapelle
Unser Wanderer verfügt jetzt über Visitenkarten. Wer welche benötigt, bei der Schattenredaktion gibt es auch welche.

Nach einem herzlichen Abschied und wegen starkem Nieseln verlasse ich um 7.30 in meinem neuen Regenponcho gehüllt, die Unterkunft. Durch das Schloß, über Treppen und scheinbar durch Keller komme ich schnell in einen bewaldeten Bereich in dem es zur Wurmlinger Kapelle geht.

Dazu erst mal bergab und bergauf. Die Kapelle ist zu und beim "Abstieg" merke ich, dass ich das Auf und Ab leicht hätte umgehen können.

Dann geht es nach Rottenburg am Neckar wo ich mich mit meiner Schwester Uta zum Mittagessen treffe. Neuigkeiten werden ausgetauscht und ich stapfe weiter. Bein und die Zehen pieksen manchmal.

Unterwegs telefoniere ich und kann in Eckenweiler im Begegnungshaus Liebfrauenhöhe übernachten, bekomme noch ein gutes Abendbrot und morgen, etwas später als sonst, Frühstück.

Und bin jetzt der einzige Gast.

Pilgern von Eckenweiler nach Leinstetten (Tag 22)

Einladung
Horb
Ihlingen bei Horb

Nachdem das Frühstück "erst" 8.15 angerichtet ist starte ich 8.30 bei angenehmen Sonnenschein. Schon nach wenigen Kilometern lege ich das Hemd ab. In Horb erreiche ich einen Ort der durch die Kur schon öfters auf meiner Landkarte sichtbar war, für mich ein imaginärer Punkt.

Im nächsten Ort gibt es ein richtiges Refugio, das ich aber links liegen lasse. Bei einer Pause in Dettingen gibt es einen netten Schwatz mit den fahrenden Obst- und der Wursthändlerin.

Ich verpasse einen Abzweig und habe so 2 km mehr vor mir. Auf dem Spielplatz der unfreiwilligen Zwischenstation rieche ich einen Grill und werde mit einer leckeren Wurst im Brötchen bewirtet. Würde mir das auch in unserer Region passieren?

Dann komme ich gegen 17.00 im Refugio in Leinstetten an, ziehe die Wanderschuhe aus und esse die zusätzlich erhaltene Grillwurst gleich kalt! Morgen verlasse ich den Bereich meines aktuellen Pilgerführers.


Pilgern von Leinstetten nach Schenkenzell (Tag 23)

Begegnung am Wegesrand
Unterkunft
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Pilger Interview mit Michael Reimold.

Heute starte ich beizeiten in aller Frühe. Die Luft ist kalt, das lässt mich kräftigen Schrittes zügig vorankommen. In kurzer Zeit komme ich beim zehn Kilometer entferntem Bäcker im nächsten Ort an. Dort gibt es die erste Pause und lecker Frühstück.

Der aufkommende Wind ist dann doch lästig und lässt mich frösteln. Mittagspause in Alpirsbach und den Pilgerstempel gibt es dort auch. Die Klosterbrauerei lasse ich heute vorerst links liegen.

Dann weiter bis Schenkenzell, dort werde ich aus einer heute geschlossenen Gaststätte, zum Kaffee eingeladen. Der Chef nimmt ein Interview mit mir auf.

Auf die Frage wo ich übernachte und meine Antwort das ich mal sehen muss, bietet er mir seine Blockhütte an. Wie schon die Gaststube und die geplanten Betten aus alten Balken, ist die Hütte absolut urig und super eingerichtet.

Eigentlich wird die Blockhütte für einen angebrachten Preis für Junggesellenabschiede u. ä. vermietet, aber ich darf für einen selbstgewählten Obulus rein.

Euer Ulf

Pilgern von Schenkenzell nach Obertrechtal (Tag 24)

Bergauf bergab
weisser Damhirsch
Ausblick von der Bank am Ziel

Nach einer guten Nacht starte ich zum Bäckerfrühstück das ich bereits 7.00 Uhr beende.

Der erste Teil des Tages läuft ganz gut, der Wind pfeift und ich komme gut voran. Wolfach, die erste Zwischenstation ist schon in Sicht. Der Weg führt bergan zu einer kleinen Kirche. Das ist der richtige Ort für meinen Stempel im Pilgerpass. Trotz Suche, es ist kein Stempel vorhanden.

Weiter geht's bergan obwohl Wolfach im Tal liegt. Dann steil runter und ich telefoniere für die nächste Übernachtung.

Jetzt noch 15+6 Kilometer und der Abend kann lustig werden. Gleich gehe ich einen Kilometer fehl und habe dann wieder bergauf vor mir, schmal, steil und lang.

Der Abstieg ist dann aber moderat um dann wieder bergan zu steigen. Und jetzt erst richtig! Wahrscheinlich eine Warnung für die Pyrenäen?

Manchmal ist auch die Route, aus meiner Sicht, nicht zu begreifen. Als ich endlich den Ort erblicke stapfe ich bergab und habe 17.00 Uhr mein Tagesziel erreicht! Das "Pilgerhospiz zur heiligen Susanne" öffnet mir die Pforte.

Ab morgen ist es dann auch eine Stunde länger hell.

Ruhetag in Obertrechtal (Tag 25)

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Nach einer guten Nacht hab ich meinen Ruhetag sehr genossen und die Füße geschont. Viel Sonne und Ruhe und ein schöner Gottesdienst.

Pilgern von Oberprechtal nach Freiburg (Tag 26)

Gestern war hier Volksfest in Oberprechtal
Adee Schwarzwald
Ich komme in Freiburg an.

Nach einem herzlichen Abschied in Oberprechtal komme ich langsam in die Gänge. Gestern war hier ein Volksfest mit riesigem Lagerfeuer und die Reste warten auf die Beräumung.

Nach einigem auf und ab an den Bergen und Umwegen wegen fehlendem Schild (lange zu viel und steil bergauf) und einer Sperrung wegen Baumfällungen komme ich doch gut vorwärts.

Ich verlasse die Berge des Schwarzwaldes und komme nach 10 Stunden in Freiburg an. Ab ins Hostel und dann eine Pizza. Jetzt sieht es so aus als ob ich morgen den Sprung nach Frankreich wage.

Pilgern von Freiburg nach Fessenheim (Tag 27)

Freiburg liegt hinter mir
Grenzfoto ohne Markierung
Wegweiser in Frankreich
Ein Bier auf den Länderwechsel

Nach einem ersten Packen mit "Lautstärkenbegrenzung", da mein Zimmerkollege noch schläft, verlasse ich 7.00 Uhr das Hostel. Früher geht nicht, da die Schlüsselrückgabe sonst meinen Pfand behalten hätte.

Gegen 9.00 Uhr habe ich endlich die Stadtgrenze von Freiburg passiert. In Grenzhausen überlege ich noch kurz und setze das Vorhaben "heute Nacht Frankreich" in die Tat um.

Leider gibt es kein Grenzzeichen und so knipse ich die Rheinmitte. Weiter über eine Schiffsschleuse und bis Fessenheim und ich bekomme beim Bäcker Hilfe von einer Kundin und finde eine Unterkunft.

Unvorstellbar, dass ich das bei meinen null Sprachkenntnissen in Französisch wage!

Der Pilger verlässt Deutschland

In Vorfreude auf Frankreichs Küche.
Einmal um die halbe Welt nach Santiago de Compostela!

Ich habe jetzt Deutschland verlassen und wandere in Frankreich.

Die Wanderroute von Ulf Leipoldt auf dem Jacobsweg in Deutschland

Karte im Vollbild anzeigen    


Danksagungen

Wenn ich auch nicht alle nennen kann, so möchte ich doch ausdrücklich danken:

  • meiner Frau Birgit - für ihr Verständnis, die Ermutigung dazu es an zu gehen und dass sie mir den Rücken frei hält
  • meinen Kindern, Eltern und engen Freunden - für Verständnis und "moralische Unterstützung"
  • Micha - für mehrere "Trainingstouren" in den letzten Jahren und die Unterstützung beim Bloggen
  • Andreas - für das Ausleihen seines Rucksackes
  • Tilo - für den Crashkurs im Kupferblechtreiben
  • Susanne - für das Postlagern der erst später benötigten Pilgerführer
  • dem Navigator - der mich wieder sehr gut beraten hat
  • vor allem aber Gott, auf dessen Hilfe ich jeden Tag angewiesen bin

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